Eiskalt erwischt

Er-Fahr-ungsbericht mit einem E-Mobil, dem BMW i3

Es war eine Grenzerfahrung, die ich mit dem nigelnagelneuen BMW i3 machen durfte. Als modernes innovatives Unternehmen hat mein Arbeitgeber, Fagus-GreCon, einen BMW i3 im Fuhrpark. Ganze 190 Kilometer standen auf dem Tacho als ich ihn das erste Mal für eine Fahrt nach Hannover (50 Kilometer) nutzen durfte.

Der BMW i3 vor dem Fagus-Werk in Alfeld.

Es lohnt sich beim ersten Anfahren ruhig einmal die Fenster herunterzulassen. Denn ruhig geht es dann wirklich los. Es ist nichts zu hören. Zumindest beim Anfahren und langsamen Geschwindigkeiten.

Sobald man dann aber das Gaspedal – es müsste ja nun eigentlich Strompedal heißen- durchdrückt, ist es mit der Ruhe vorbei. Auch wenn der Motor nicht zu hören ist, sind der Fahrtwind und die Abrollgeräusche wie bei jedem anderen Pkw dann doch wahrnehmbar.

Apropos durchdrücken: die Beschleunigung ist sehr beeindruckend. BMW gibt 6,9 Sekunden für die Beschleunigung von 0-100 km/h an. Jedoch sollte man dies nicht allzu häufig tun, denn Spaß kostet Reichweite. Wer nur kurze Distanzen zurücklegen will kann es sich erlauben. Bei längeren Strecken ist Enthaltsamkeit angesagt.

Wie die aussieht konnte ich bei meiner nächsten Tour erfahren. Denn die Tour führte mich von Alfeld ins nirgendwo. Nämlich nach Bielefeld. Laut Routenplanung waren 128 Kilometer zu absolvieren. Eigentlich kein Problem. Hatte doch die Anzeige bei meiner letzten Fahrt und vollem Akku eine Reichweite von 290 Kilometern angegeben.
Nur fand die Fahrt nach Hannover bei fast Frühlingstemperaturen statt. Die Fahrt nach Bielefeld sollte bei nur etwas mehr als 0 °C starten. Da Stand dann, bei vollem Akku, nur noch eine Reichweite von 250 Kilometern im Display. Bei fehlenden Alternativen mussten die jedoch für die geplante Gesamtstrecke von knapp 260 Kilometern reichen. Geht nicht? Doch geht. Zumindest fast. Aber der Reihe nach:

Zunächst über Landstraßen führte die Tour nun auch einmal über die Autobahn. Hier zeigte sich gleich, dass nicht nur eine sportliche Beschleunigung, sondern auch eine etwas erhöhte Geschwindigkeit (120 km/h) bereits deutlich an der Akku-Ladung zerren. Auch die anderen Annehmlichkeiten eines Pkw mit Verbrennungsmotor, wie z. B. eine Heizung, müssen aus der Batterie gespeist werden. So sorgten die kalten Außentemperaturen und die somit notwendige höhere Heizleistung für ein deutlich schnelleres Absinken der Reichweite.

Am Ziel angelangt standen mir dann noch knapp 95 Kilometer Reichweite für meine Heimreise (von 128 Kilometern) zur Verfügung. Glücklicher Weise hatte ich eine Besprechung. Bei einer Dauer von ca. 90 Minuten, nahm ich an, dass in der Zeit, in der ich den Pkw an Stromnetz anschließen durfte, die zusätzlich erforderlich Reichweite in den Akkus fließen würde.

Tat sie aber nicht! Man kann den BMW i3 über jede entsprechend abgesicherte Haushaltssteckdose laden. Es dauert dann nur etwas. Je nach Kapazität des Akkus ca. 8,5 bis 12 Stunden.

Typische Ladedauer 22 kwh / 33 kwh Akku

2,3 kW – „Haushalts-Stecker“8,5 Stunden / 12 Stunden
3,7 kW – Typ 2 (1-phasig, 16 A)6 Stunden / 9 Stunden
7,4 kW – Typ 2 (1-phasig, 32 A)3 Stunden / 4,5 Stunden
11 kW – Typ 2 (3-phasig 16 A)– / 3 Stunden

Quelle: www.stromschnell.de

Also 90 Minuten haben für keine nennenswerte Reichweitenverbesserung gesorgt. Was tun?

Zum Glück gibt es in der Mittelkonsole eine kleine Wahltaste. Hier kann der i3 in einen weniger stromhungrigen Fahrmodus versetzt werden. ECO Pro sorgt dann für bis zu 20% mehr Reichweite. Wenn diese dann immer noch nicht reicht gibt es die ultimative Steigerung: ECO Pro+.

Man kann die Taste dann aber auch mit „Fahrspaß aus“ betiteln. Die Geschwindigkeit wird auf 90 km/h begrenzt und die Heizung und Klimaanlage soweit runtergefahren, das gerade einmal die Scheiben nicht beschlagen.

Das wird knapp. 128 Kilometer Stecke bei 91 Kilometer Reichweite.

Fast hatte ich mein Ziel mit dieser Maßnahme erreicht. Um meine erforderliche Reichweite zu erreichen musste eine ultimative Maßnahme getroffen werden. LKW ausbremsen! Das heißt 80 km/h Höchstgeschwindigkeit. Es war erniedrigend. Frierend mit 80 km/h und von LKW überholt auf der Autobahn. Aber mein Ziel in greifbarer Nähe! Die Anzeigen des (autark betriebenen) Navis und die der Reichweite deckten sich. Und je nachdem ob des bergauf oder bergab ging, und es ging vorwiegend bergab, drehte sich das Verhältnis der Anzeigen zu meinen Gunsten.

Es zeigte sich dann aber, dass ich mein eigentliches Ziel nicht erreichen werde. Zum Glück befindet sich mein Zuhause ca. 17 Kilometer vor dem Sitz meines Arbeitgebers, so dass ich dort zumindest ankommen müsste.

Nicht ganz das Ziel. 17 Kilometer vor dem eigentlichen Ziel zuhause angekommen.

So war es dann auch. Mit 10 Kilometern Reichweite habe ich mich mit dem BMW i3 zu meinem Wohnort gerettet. Hier konnte ich mich dann erst einmal richtig aufwärmen und dem BMW eine ordentliche Portion Strom gönnen. Wie oben beschrieben dauerte die Ladung an einer Haushaltssteckdose dann auch wirklich mehr als die angegebenen 12 Stunden. Um 14 Uhr angeschlossen waren am folgenden Tag um 7 Uhr morgens gerade einmal 95 % der Kapazität geladen.

Fazit:
Der BMW i3 ist ein tolles Fahrzeug, wenn man sich im engen Radius um seine Heim-lade-Station oder in einem gut ausgebauten Netz von leistungsfähigen Ladestationen bewegt. Die Ausstattung des Fahrzeugs ist, zumindest was die kaum ins Gewicht fallende Elektronik, also das Informationssystem betrifft, sehr gut. Alles was wiegt wurde zugunsten der immer noch bescheidenen Reichweite wegoptimiert. Die modern gestylten Sitze erinnern an futuristische Gartenstühle. Einstellungen sollte man bei stehendem Fahrzeug vornehmen. Denn die Sitzhöhenverstellung geht nur in eine Richtung: abwärts. Um den Sitz wieder nach oben zu verstellen muss man das Fahrzeug verlassen.

Würde ich mir ein Elektromobil kaufen? Nein, ich denke nicht. Für mich ist die reine Elektromobilität nur ein Zwischenschritt. Kann sie auch nur. Woher sollen die ganzen Rohstoffe für die vielen Millionen Pkw kommen? Selbst die CO2-Bilanz ist schlecht. BMW gibt die CO2-Emissionen in g/km (kombiniert): mit 0 an. Dies stimmt aber auch nur wenn man auf regenerative Energien setzt. Je nach Stromanbieter und Strommix geht die Rechnung nicht auf. Noch viel schlimmer wird es wenn man die CO2-Emission bei der Batterieproduktion berücksichtigt. Sicher ist, dass ein Pkw mit Verbrennungsmotor kurzfristig ersetzt werden muss. Bei gleichbleibenden Verkehrskonzepten ist die reine E-Mobilität mit einem Akku als Energiespeicher jedoch nicht die Lösung.

Ich bin der Überzeugung, dass unter den aktuell verfügbaren Technologien und Energieträgern nur Wasserstoff die Lösung sein kann. In Niedersachsen wir diese Technologie bereits erfolgreich getestet. Mal sehen wann sie Einzug in die Pkw-Branche hält. Sobald es soweit ist bin ich gerne dabei.

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