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  • Eiskalt erwischt

    Eiskalt erwischt

    Er-Fahr-ungsbericht mit einem E-Mobil, dem BMW i3

    Es war eine Grenzerfahrung, die ich mit dem nigelnagelneuen BMW i3 machen durfte. Als modernes innovatives Unternehmen hat mein Arbeitgeber, Fagus-GreCon, einen BMW i3 im Fuhrpark. Ganze 190 Kilometer standen auf dem Tacho als ich ihn das erste Mal für eine Fahrt nach Hannover (50 Kilometer) nutzen durfte.

    Der BMW i3 vor dem Fagus-Werk in Alfeld.

    Es lohnt sich beim ersten Anfahren ruhig einmal die Fenster herunterzulassen. Denn ruhig geht es dann wirklich los. Es ist nichts zu hören. Zumindest beim Anfahren und langsamen Geschwindigkeiten.

    Sobald man dann aber das Gaspedal – es müsste ja nun eigentlich Strompedal heißen- durchdrückt, ist es mit der Ruhe vorbei. Auch wenn der Motor nicht zu hören ist, sind der Fahrtwind und die Abrollgeräusche wie bei jedem anderen Pkw dann doch wahrnehmbar.

    Apropos durchdrücken: die Beschleunigung ist sehr beeindruckend. BMW gibt 6,9 Sekunden für die Beschleunigung von 0-100 km/h an. Jedoch sollte man dies nicht allzu häufig tun, denn Spaß kostet Reichweite. Wer nur kurze Distanzen zurücklegen will kann es sich erlauben. Bei längeren Strecken ist Enthaltsamkeit angesagt.

    Wie die aussieht konnte ich bei meiner nächsten Tour erfahren. Denn die Tour führte mich von Alfeld ins nirgendwo. Nämlich nach Bielefeld. Laut Routenplanung waren 128 Kilometer zu absolvieren. Eigentlich kein Problem. Hatte doch die Anzeige bei meiner letzten Fahrt und vollem Akku eine Reichweite von 290 Kilometern angegeben.
    Nur fand die Fahrt nach Hannover bei fast Frühlingstemperaturen statt. Die Fahrt nach Bielefeld sollte bei nur etwas mehr als 0 °C starten. Da Stand dann, bei vollem Akku, nur noch eine Reichweite von 250 Kilometern im Display. Bei fehlenden Alternativen mussten die jedoch für die geplante Gesamtstrecke von knapp 260 Kilometern reichen. Geht nicht? Doch geht. Zumindest fast. Aber der Reihe nach:

    Zunächst über Landstraßen führte die Tour nun auch einmal über die Autobahn. Hier zeigte sich gleich, dass nicht nur eine sportliche Beschleunigung, sondern auch eine etwas erhöhte Geschwindigkeit (120 km/h) bereits deutlich an der Akku-Ladung zerren. Auch die anderen Annehmlichkeiten eines Pkw mit Verbrennungsmotor, wie z. B. eine Heizung, müssen aus der Batterie gespeist werden. So sorgten die kalten Außentemperaturen und die somit notwendige höhere Heizleistung für ein deutlich schnelleres Absinken der Reichweite.

    Am Ziel angelangt standen mir dann noch knapp 95 Kilometer Reichweite für meine Heimreise (von 128 Kilometern) zur Verfügung. Glücklicher Weise hatte ich eine Besprechung. Bei einer Dauer von ca. 90 Minuten, nahm ich an, dass in der Zeit, in der ich den Pkw an Stromnetz anschließen durfte, die zusätzlich erforderlich Reichweite in den Akkus fließen würde.

    Tat sie aber nicht! Man kann den BMW i3 über jede entsprechend abgesicherte Haushaltssteckdose laden. Es dauert dann nur etwas. Je nach Kapazität des Akkus ca. 8,5 bis 12 Stunden.

    Typische Ladedauer 22 kwh / 33 kwh Akku

    2,3 kW – „Haushalts-Stecker“8,5 Stunden / 12 Stunden
    3,7 kW – Typ 2 (1-phasig, 16 A)6 Stunden / 9 Stunden
    7,4 kW – Typ 2 (1-phasig, 32 A)3 Stunden / 4,5 Stunden
    11 kW – Typ 2 (3-phasig 16 A)– / 3 Stunden

    Quelle: www.stromschnell.de

    Also 90 Minuten haben für keine nennenswerte Reichweitenverbesserung gesorgt. Was tun?

    Zum Glück gibt es in der Mittelkonsole eine kleine Wahltaste. Hier kann der i3 in einen weniger stromhungrigen Fahrmodus versetzt werden. ECO Pro sorgt dann für bis zu 20% mehr Reichweite. Wenn diese dann immer noch nicht reicht gibt es die ultimative Steigerung: ECO Pro+.

    Man kann die Taste dann aber auch mit „Fahrspaß aus“ betiteln. Die Geschwindigkeit wird auf 90 km/h begrenzt und die Heizung und Klimaanlage soweit runtergefahren, das gerade einmal die Scheiben nicht beschlagen.

    Das wird knapp. 128 Kilometer Stecke bei 91 Kilometer Reichweite.

    Fast hatte ich mein Ziel mit dieser Maßnahme erreicht. Um meine erforderliche Reichweite zu erreichen musste eine ultimative Maßnahme getroffen werden. LKW ausbremsen! Das heißt 80 km/h Höchstgeschwindigkeit. Es war erniedrigend. Frierend mit 80 km/h und von LKW überholt auf der Autobahn. Aber mein Ziel in greifbarer Nähe! Die Anzeigen des (autark betriebenen) Navis und die der Reichweite deckten sich. Und je nachdem ob des bergauf oder bergab ging, und es ging vorwiegend bergab, drehte sich das Verhältnis der Anzeigen zu meinen Gunsten.

    Es zeigte sich dann aber, dass ich mein eigentliches Ziel nicht erreichen werde. Zum Glück befindet sich mein Zuhause ca. 17 Kilometer vor dem Sitz meines Arbeitgebers, so dass ich dort zumindest ankommen müsste.

    Nicht ganz das Ziel. 17 Kilometer vor dem eigentlichen Ziel zuhause angekommen.

    So war es dann auch. Mit 10 Kilometern Reichweite habe ich mich mit dem BMW i3 zu meinem Wohnort gerettet. Hier konnte ich mich dann erst einmal richtig aufwärmen und dem BMW eine ordentliche Portion Strom gönnen. Wie oben beschrieben dauerte die Ladung an einer Haushaltssteckdose dann auch wirklich mehr als die angegebenen 12 Stunden. Um 14 Uhr angeschlossen waren am folgenden Tag um 7 Uhr morgens gerade einmal 95 % der Kapazität geladen.

    Fazit:
    Der BMW i3 ist ein tolles Fahrzeug, wenn man sich im engen Radius um seine Heim-lade-Station oder in einem gut ausgebauten Netz von leistungsfähigen Ladestationen bewegt. Die Ausstattung des Fahrzeugs ist, zumindest was die kaum ins Gewicht fallende Elektronik, also das Informationssystem betrifft, sehr gut. Alles was wiegt wurde zugunsten der immer noch bescheidenen Reichweite wegoptimiert. Die modern gestylten Sitze erinnern an futuristische Gartenstühle. Einstellungen sollte man bei stehendem Fahrzeug vornehmen. Denn die Sitzhöhenverstellung geht nur in eine Richtung: abwärts. Um den Sitz wieder nach oben zu verstellen muss man das Fahrzeug verlassen.

    Würde ich mir ein Elektromobil kaufen? Nein, ich denke nicht. Für mich ist die reine Elektromobilität nur ein Zwischenschritt. Kann sie auch nur. Woher sollen die ganzen Rohstoffe für die vielen Millionen Pkw kommen? Selbst die CO2-Bilanz ist schlecht. BMW gibt die CO2-Emissionen in g/km (kombiniert): mit 0 an. Dies stimmt aber auch nur wenn man auf regenerative Energien setzt. Je nach Stromanbieter und Strommix geht die Rechnung nicht auf. Noch viel schlimmer wird es wenn man die CO2-Emission bei der Batterieproduktion berücksichtigt. Sicher ist, dass ein Pkw mit Verbrennungsmotor kurzfristig ersetzt werden muss. Bei gleichbleibenden Verkehrskonzepten ist die reine E-Mobilität mit einem Akku als Energiespeicher jedoch nicht die Lösung.

    Ich bin der Überzeugung, dass unter den aktuell verfügbaren Technologien und Energieträgern nur Wasserstoff die Lösung sein kann. In Niedersachsen wir diese Technologie bereits erfolgreich getestet. Mal sehen wann sie Einzug in die Pkw-Branche hält. Sobald es soweit ist bin ich gerne dabei.

  • Anrainer für Verkehrsprojekte

    Anrainer für Verkehrsprojekte

    Chance oder Risiko? – Notwendig oder „bloß nicht“?

    Gleich zwei Fragen konnten Besucher*Innen des Aktionsstandes der SPD im Flecken Salzhemmendorf beantworten. Bei den zahlreichen Gesprächen stellte sich heraus, dass die geschenkten Stimmen nicht so ohne Weiteres den bereitgestellten Antworten zugeordnet werden konnten.

    Worum ging es? Zum einen ging es um die Umgehungsstraße um die Ortschaften Hemmendorf, Oldendorf und Benstorf. Während die Umgehungsstraße um Mehle bereits fertig gestellt ist und die Umgehung von Coppenbrügge und Marienau sich bereits im Bau befindet, müssen die Bewohner der Salzhemmendorfer Ortschaften noch auf längere Zeit mit der aktuellen Situation leben. Der Lückenschluss zwischen den beiden Umgehungsstraßen hat zwar bereits Planungsrecht, also kann bereits geplant werden, jedoch stellt die aktuelle gute wirtschaftliche Lage eine Hürde für die Realisierung der Umgehung dar. Es fehlen die für die Planung erforderlichen Fachkräfte. Da im Bundesverkehrswegeplan die Strecke keine hohe Priorität besitzt wird hier auch kurzfristig keine Änderung zu erwarten sein.

    Anders als die Umgehungsstraße genießt die Elektrifizierung der Bahnstrecke zwischen Hameln und Elze eine weit höhere Priorität. Hier scheinen die Planer im Bundesverkehrsministerium einen wesentlich höheren Nutzen zu sehen. Es stellt sich nur die Frage für wen? Oder anders herum zu wessen Lasten?

    Diese Frage wollte der SPD-Ortsverein Flecken Salzhemmendorf mit den Standbesuchern in Oldendorf diskutieren. Die weit größere Mehrheit sieht mehr Chancen als Risiken bei einer Elektrifizierung der Bahnstrecke.

    Der ebenfalls am Aktionsstand anwesende Landtagsabgeordnete Uli Watermann hat auf die Risiken aufmerksam gemacht. Auch auf das undurchsichtige Verhalten der Verantwortlichen im Bundesverkehrsministerium. Eine Beteiligung der Anrainer zu Änderungen an den Plänen, wie sie auch vom Landrat Tjark Bartels gefordert wurde, hat es nicht gegeben. Fest steht, dass die Strecke als Ausweichroute für den stark überlasteten Bahnknotenpunkt Hannover gesehen wird.

    Zwar ermöglicht die elektrifizierte Strecke einen sauberen und schnelleren Bahnverkehr als die bisherige Dieseltechnologie, es stellt sich jedoch die Frage ob der stark subventionierte ÖPNV nicht dem wesentlich gewinnträchtigerem Güterverkehr Platz machen muss. Und hier liegen die Risiken.

    Dass die Standbesucher dann doch eher mehr Chancen als Risiken sehen ist wohl auch der aktuellen Situation geschuldet. Gleich zwei Faktoren fallen hier ins Gewicht. Da sind zum einen die hohen Fahrtkosten nach Hannover. Für die einfache Fahrt vom Bahnhof Osterwald nach Hannover werden pro Person 10 Euro verlangt. Weitaus gravierender sind jedoch die schlechten Anbindungen an die Landeshauptstadt. Egal wie rum man fährt. In Elze oder Hameln muss man mit einiger Verzögerung umsteigen. Bei den mittlerweile regelmäßigen Verspätungen sogar längere Aufenthalte an den Umsteigepunkten in Kauf nehmen. So ist es dann auch nicht verwunderlich, dass viele Bahnreisende mit dem Ziel Hannover erst mit dem Pkw nach Völksen fahren um dort zum günstigen GVH-Tarif und ohne umsteigen zu müssen, zu reisen. Gerade in Zeiten in denen intensiv über CO2-Reduzierung diskutiert wird sind Alternativen erforderlich.

    Trotz des Risikos des stärkeren Güterverkehrs durch das Saaletal sehen die meisten Besucher des SPD-Stands eher eine Chance, also eine Verbesserung der aktuellen Lage als denn eine Verschlechterung durch das Risiko eines stärkeren Güterverkehrs.

    Der Landrat und die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden haben in einem gemeinsamen Schreiben an das Bundesverkehrsministerium um Aufklärung in einem gemeinsamen Gespräch gefordert.

    Um auch die betroffenen Bürger*Innen vor Ort über die aktuelle Situation und die Chancen und Risiken zu informieren plant der SPD-Ortsverein nach dem Austausch im Bundesverkehrsministerium einen Informationsabend mit den Bewohnern entlang der Bahnstrecke.

  • Bekanntschaften und Verkehr

    Bekanntschaften und Verkehr

    Inder sind: unzuverlässig, unpünktlich, chaotisch, sehr nett, freundlich, hilfsbereit (manchmal, und wirklich nur manchmal auch nur um ein Trinkgeld zu erhalten) und lieben körperliche Nähe.

    Diese suchen und finden die Inder unter anderem im Straßenverkehr. Kreuzungen, so scheint es, sind für sie ein beliebtes Ausflugsziel. Ähnlich einem Glas in dem man unterschiedlich große Murmeln sammelt, wobei die kleineren die Zwischenräume auffüllen, versammeln sich die Inder (in Bangalore) in ihren Bussen, Autos, Rikschas und Mopeds an Kreuzungen. Aufgrund der für indische Verhältnisse sehr hohen Benzin- und Gaspreise werden von allen auch immer schön die Motoren abgestellt.

    Dann ist es Zeit, neue Bekanntschaften zu knüpfen und alte Bekanntschaften zu pflegen, bis die Unterhaltungen dann jäh von einem der vielen Verkehrspolizisten unterbrochen wird. Doch jede noch so abrupte Unterbrechung wird als Chance für weitere Freundschaften gesehen. Und so trifft man sich in ähnlicher oder neuer Konstellation vor der nächsten Kreuzung. Sollte jedoch das Thema der Unterhaltung ein längeres Gespräch erfordern, so wird dies durchaus während der Fahrt fortgesetzt. Die Inder sind wahre Meister im Abstandhalten auf engstem Raum. Bei einer Rikschafahrt sollte man also nicht leichtsinniger Weise einen der äußeren Griffe mit der Hand umschließen, ansonsten riskiert man schmerzhaften Kontakt zum Nachbarfahrzeug. Gerne werden während der Fahrt auch mal Nettigkeiten, wie zum Beispiel Schulterklopfen oder Seitenhiebe ausgetauscht. Durch die dadurch verursachten Schwenker können die weiteren Verkehrsteilnehmer mal so richtig zeigen, was sie drauf haben. An dieser Stelle muss ich noch eine Beobachtung und die daraus resultierende Schlussfolgerung zur indischen Führerscheinprüfung anfügen.

    Die Inder haben einen großen Respekt vor den hiesigen Verkehrspolizisten. Stattliche Männer in einer sandfarbenen Uniform und einem Hut, dessen Krempe an einer Seite elegant hochgeklappt wird. Einzig gewappnet mit Trillerpfeife, Rohrstock und ihrer Autorität regeln sie den Verkehr. Der ungeheure Respekt den alle Verkehrsteilnehmer, Autofahrer, Radfahrer als auch Fußgänger vor diesen Männern haben, lässt einen vermuten, dass alle zur Erlangung eines Führerscheins einmalig, vorbeugend mit dem Rohrstock abgestraft werden. Demzufolge müssen wohl auch die Fußgänger einen Führerschein besitzen.

    Unser Taxifahrer fragt zum Beispiel immer sehr höflich, ob er denn auch abbiegen darf. Es bedarf nur eines Blickes oder einer kleinen Geste und schon tritt der über die Haltelinie gefahrene Radfahrer den Rückzug an. Gruppenzwang hat in Indien eine vollkommen andere Bedeutung als der gemeine Europäer sie kennt. Hier zwingt einen nicht die Gruppe, sondern man wird zur Gruppe gezwungen.

    Ihrem Wunsch nach körperlicher Nähe folgend, schließen sich wildfremde Inder einem kleineren Gesprächskreis an, tauschen Visitenkarten, und teilweise sogar Meinungen aus. Bis so langsam, aber sicher eine Gruppe entsteht. Auf der Messe ist mir dies häufiger passiert. Heimlich, still und leise wurden meine Gesprächsrunden immer größer. Gerne ist man auch mal bereit, über den Tellerrand hinauszuschauen und Neues zu erfahren. Einige meiner „ungebeten Gäste“ hatten dann aber auch gar nichts mit unseren Produkten zu tun. Mal sehen welcher Gruppe ich mich anschließen kann.

  • Massen und Meditation

    Massen und Meditation

    The world is in Bangalore for AoL festival!

    So stand es gestern in der Zeitung. In der IT-Hochburg Bangalore denkt jeder gleich an 650 Freistunden Internet. Doch weit gefehlt.
    Denn unser aller Guru Sri Sri Ravi Shankar ist nach Bangalore gekommen, um seine Jünger zum „Art of Living“ Festival um sich zu scharen.
    Da weder Zelte, noch Sporthallen oder Stadien für einen solches Ereignis ausreichen, wurde kurzerhand ein ganzer Flugplatz in Beschlag genommen. Die Zeitungen überschlagen sich hier mit Superlativen. Ein Flugplatz, drei Essensausgaben mit je 3000m² sowie 6000 Busse für unfassbare 2,5 Millionen Jünger aus aller Welt. Die Messe zeigt trotzdem eine große Resonanz, so dass ich leider nicht an den Meditationsveranstaltungen teilnehmen kann. Gerne wäre ich Besucher Nr. 2.500.001 geworden.
    Meine indianischen Forschungen und Beobachtungen konnte ich trotz der sich geradezu überschlagenden Ereignisse (s.o.) weiterverfolgen. Indien als Subkontinent hat ganz genau sehr viele Bundesstaaten mit sehr vielen, zusammen circa ungefähr 1.051.634.033 Einwohnern. Es werden so viele unterschiedliche Sprachen gesprochen, dass sich die Inder bis zum Eintreffen der Engländer wohl kaum verständigen konnten.

    Gestern hatte ich ja schon von den großen Männern mit den Lollipop Turbanen berichtet. Ganz vergessen jedoch hatte ich eine Gattung, die mich doch sehr an Koala Bären erinnert. So gibt es hier eine doch beachtliche Anzahl Männer, an deren Ohrrändern ein außergewöhnlich starker Haarwuchs entspringt. Da die Haare durchaus eine Länge von ca. 4-6 cm erreichen, werden sie zu Locken gefönt. Das Gesamtbild entspricht dann einem Koala Bären. Interessanter Weise hatten die Herren durchaus geschnitten Kopfhaare und keinen Turban, so dass man eine Zugehörigkeit zu den Shiks ausschließen kann. Ich werde wohl mal einen ansprechen müssen. Vielleicht hat aber auch unser aller Guru Sri Sri Ravi Shankar seine Finger im Spiel. Jetzt lasst uns einander die Hände reichen und immer lächeln. Ohhhmmmmmm….

  • Party und Tanz

    Party und Tanz

    Auch ein erfahrener Aussteller muss ab und zu mal Neuland betreten.

    In Indien bieten sich dazu zahlreiche Gelegenheiten. Eine davon war der Ausstellerabend. So fanden sich die außerindischen Aussteller nach dem Messeende zur angegeben Zeit am angegeben Ort ein. Anscheinend hatten wir alle noch nicht aus unseren Erfahrungen bezüglich des indischen Zeitverständnisses gelernt.
    Jedenfalls wurden Spannung, Durst und Hunger auf die Spitze getrieben. Die erste Überraschung erlebten wir, als wir durch einen Stofftunnel den Ort des Geschehens betraten. Alle hatten mit einem Zelt gerechnet. Statt dessen hatten sich die Veranstalter für eine Freiluftveranstaltung entschieden. Und weil man so schüchtern ist, wurde für den Ausstellerabend ein fußballfeldgroßes Areal mit Stoffbahnen eingezäunt. Darauf verloren sich ein paar kleinere Stuhlgruppen, die von einer überdimensionalen Stereoanlage beschallt wurden. Getränke und Essen: Fehlanzeige! Danach hatte ich ein Déjá-vu. Wir fragten nämlich einen der Zuständigen, wann es denn los geht. Dabei ergab sich das folgende Gespräch:

    Er: „Oh Sir Boss we will be ready in a few minutes“
    Wir: „really????“
    Er: „certainly!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!“

    Nach einer weiteren halben Stunde Warten wurden dann doch die Stände für die harten Getränke wie Whisky Cola eröffnet. Passend dazu machte dann auch ein Imbissstand auf. Ich vermute, weil man sich des Essens schämte, fand unter dem Vorwand eines partiellen Stromausfalls die Essensausgabe im Dunkeln statt. (Komischerweise funktionierten die Beschallung mit Disco-Musik und die Lichtorgel bestens).

    Vielleicht waren sie auch nur wieder schüchtern. Denn zeitgleich mit dem Erlöschen des Lichts (und der Eröffnung der Essensausgabe) tauchten ziemlich viele dunkle Punkte auf. Inder. Allerdings steht schüchtern im krassen Gegensatz zum hier wohl üblichen Ausdruckstanz der Inder.

    Ähnlich wie beim Straßenverkehr ist es ratsam nicht daran teilzunehmen, da schwere Schäden des allgemeinen Bewegungsaparates nicht auszuschließen sind. Darüber hinaus können die zum Tanz gehörenden Ausfallschritte und Sprünge bei Unkundigen zu heftig Blutergüssen oder anderen, teils schweren Verletzungen führen.

    Besonders schön sieht es aus, wenn der Tanz von den groß gewachsenen, aus Nordindien stammenden Shiks dargeboten wird. Da es diesen Männern aus religiösen Gründen nicht gestattet ist, ihre Haare zu schneiden, tragen sie leuchtend bunte Turbane, um ihre Haarpracht und die darin lebenden Tiere unter Kontrolle zu halten. Interessant war allerdings, dass es sich dabei anscheinend nicht im einen Paarungstanz handelte, da weit und breit keine Frauen in Sicht waren.

  • Pizza ohne Panik

    Pizza ohne Panik

    Das Hupen beschäftigt mich weiterhin. Heute habe ich die Fahrt im Mini-Bus-Taxi dazu genutzt, die Geheimnisse des Hupens zu ergründen. Keine Chance! Es scheint hier alles dem Chaos zu folgen. Vielleicht ist es aber auch nur eine nervöse Störung, die sich hier massiv ausgebreitet hat und nun nicht mehr zu stoppen ist.
    Heute Abend sind alle Aussteller vom Veranstalter eingeladen. Ich bin schon gespannt, ob und welches Chaos hier los bricht.

    Zum Mittag hatte ich mir eine Minipizza erkämpft. Nachdem man seine Bestellung aufgegeben und bezahlt hat erhält man eine Quittung und eine genaue Zeitangabe, wann die bestellte Pizza zur Abholung bereit steht. Als folgsamer Kunde stand ich dann 10 Minuten später in einer weiteren langen Schlange, die schon seit längerer Zeit auf ihr Essen wartet. Nach weiteren 20 Minuten gelang es mir, meine Quittung an das für die Essensausgabe zuständige Fachpersonal auszuhändigen. Ich rechnete nun mit einer prompten Lieferung meines Essens. Statt dessen erhielt ich auf meine Nachfrage, wo denn nun meine Pizza bleibe, wiederum ein Nachfrage, wo denn nun meine Quittung sei. Ein Aufrichten meines Körpers sorgte dann allerdings sehr schnell dafür, dass meine Angaben für richtig empfunden wurden. Nach kurzen 5 Minuten weiteren Wartens wurde meine Zwangsdiät dann endlich beendet.

    Halt nicht ganz. Nachdem ich nun freudestrahlend mit meiner Pizza zu meinem vereinsamten Messestand zurückgekehrt war und mich über meine Durchsetzungskraft und auf die Pizza freute, meinte ein potentieller Kunde, er müsste mich besuchen. Zehn bis fünfzehn Minuten später konnte ich dann meine lauwarme Pizza genießen. 
    Jetzt bin ich gerade vom Ausstellerabend zum Hotel zurückgekehrt. Es war geradezu unbeschreiblich.

  • Zeit für Service

    Zeit für Service

    Die folgenden Briefe (tatsächlich waren es E-Mails) sind bereits 2009 während einer Reise nach Indien entstanden. Meine erste Reise in dieses doch sehr andere Land.

    Ich bin in Indien! Ob ich mich noch einmal aufraffen kann, hierher zu kommen, weiß ich nicht.

    Den Führerschein erhält man hier, sobald man die einwandfreie Bedienung einer Hupe nachweisen kann. Weitere Kenntnisse sind anscheinend nicht erforderlich. Man spart auch ungemein an Fahrbahnmarkierungen, denn beachtet werden diese ebenfalls nicht. Soweit ist also alles normal.

    Ansonsten war es heute das reinste Chaos. Als ich auf dem Messestand ankam war von meinen drei Kisten nur eine da, die allerdings in einem erbärmlichen Zustand.
    Ich vermute der Zoll war es. Als ich schließlich vor den Zelten (darin findet hier die Messe statt) auf einem großen Areal unter vielen anderen Kisten, dann doch noch meine zwei Kisten gefunden hatte, sahen die genau so aus. Aus unseren schönen teuren Prospekten hatte man Faltblätter gemacht.

    Man merkt schon das die Leute hier sehr serviceorientiert sind. Nach einer weiteren Stunde Warten, die wohl nach indischer Zeitrechnung 5 Minuten entspricht, enspann sich der folgende Dialog:

    Er: „Oh Sir Boss I will bring you the boxes within the next five minutes“.
    Ich: „really????“
    Er:“Certainly!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!“)

    Also nach einer weiteren Stunde warten trafen dann auch die anderen Kisten ein.

    Heute habe ich schätzen gelernt, dass Dave (mein Schneider aus Bangkok) die Hemden immer etwas länger schneidert. Denn es machte irgendwann ratsch und meiner Hintern zwängte sich durch einen doch sehr beachtlichen Riss in meiner Hose. Den Rest der Aufbauarbeiten habe ich im Sari erledigt, oder so.